Licentia. Weibliche Rede und kritisches Wissen bei Marguerite de Navarre und María de Zayas
Universität zu Köln, seit 2024
Wie kommt eine Frau in der Frühen Neuzeit zum Wort, und was für ein Wissen entsteht dort, wo sie es ergreift? Das Projekt verfolgt diese Frage in der Rahmennovellistik: in Sammlungen, die das Erzählen selbst als gesellige Rede inszenieren, mit Regeln dafür, wer erzählt, wer zuhört und wer urteilt. Im Zentrum stehen der Heptaméron (1559) Marguerite de Navarres und die beiden Sammlungen der María de Zayas: die Novelas amorosas y ejemplares (1637) und die Desengaños amorosos (1647). Marguerite de Navarre (1492–1549), Königin von Navarra und Schwester Franz’ I. von Frankreich, hinterließ den Heptaméron unvollendet: Er erschien postum. Über María de Zayas, eine Madriderin des Siglo de Oro, ist außer ihren Büchern fast nichts bekannt. Sie gehörten zu den meistgelesenen ihres Jahrhunderts. Der Begriff licentia, der dem Projekt den Titel gibt, bezeichnete in der Epoche beides: eine Freiheit der Rede und eine Erlaubnis, die einzuholen war.
Drei Zugänge greifen in meiner Analyse ineinander: die historische Semantik der licentia, von der rhetorischen Tradition bis zu den Wörterbüchern der Epoche, die Narratologie des Rahmens, die bestimmt, wer in diesen Texten zuhört und wer spricht, und die Lektüre der weiblichen Nebenfiguren, an denen Reichweite und Grenze des inszenierten Frauenwissens ablesbar werden.
Lehrveranstaltungen
- SoSe 2026, Hauptseminar: Romane von Frauen aus dem 19. Jahrhundert: Sand, Caballero und Lopes de Almeida (UzK)
- WiSe 2025/26, Hauptseminar: Personagens femininas do romantismo ao realismo nas literaturas francesa, espanhola e brasileira (USP)
- WiSe 2025/26, Proseminar: Das Leben der Frauen in den Romanen von Balzac, Clarín und Alencar (UzK)
- SoSe 2025, Proseminar: Der Realismus bei Eça de Queirós, Émile Zola und Pardo Bazán (UzK)
- WiSe 2024/25, Hauptseminar: Die weiblichen Protagonistinnen von Flaubert, Galdós und Machado de Assis (UzK)